Ausbildung zum/zur Heilpädagogen/-in

Fachakademie für Heilpädagogik Rummelsberg

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Heilpädagogik

 

„Kinder müssen nicht zu Menschen werden, sie sind schon Menschen!“ (Janusz Korczak)

„Man erzieht vielmehr durch das, was man ist als durch das, was man tut.“ (Paul Moor)

 

Beschreibung des Faches anhand der Unterrichtsinhalte

Ein Gefühl für das eigene heilpädagogische Sein und Tun zu entwickeln und dieses mit fachlichen Hintergründen begründen zu können ist das übergreifende Ziel der Ausbildung und damit auch des Faches Heilpädagogik.

Das Fach Heilpädagogik bildet die Grundlage für die Handlungsansätze der Heilpädagogik. Das eklektische und interdisziplinäre Wesen der Heilpädagogik findet sich in der Vielfalt der vermittelten Theorien wieder. Diese werden aus den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen herangezogen und auf die verschiedenen Arbeitsfelder von Heilpädagogen/Heilpädagoginnen heruntergebrochen. Aktuelle Themen finden sich neben altbewährten Themen und Theorien.

Im Unterricht findet eine kritische Auseinandersetzung mit den vermittelten Inhalten statt. Die Studierenden reflektieren die vermittelten Inhalte anhand ihrer beruflichen Erfahrungen.

Die Studierenden befassen sich mit der Geschichte und dem Begriff der Heilpädagogik. Zielformulierungen und die Ausarbeitung von dazugehörigen Handlungskonzepten werden –basierend auf den Methoden wie beispielsweise dem Regelkreis nach Köhn, der „U-Theorie“ oder dem bio-psycho-sozialen Modell aus der ICF- geübt. Die dialogische Beziehungsgestaltung von Martin Buber ist grundlegender Ausbildungsinhalt und bildet u.a. eine Grundlage für die Umsetzung einer Auswahl von Leitpostulaten der Heilpädagogik. Im berufskundlichen Teil werden die Leitpostulate diskutiert und aktuelle Diskurse dazu analysiert. Die Theorien von Erikson und Mead (Identitätsentwicklung) liefern ebenso wie Bourdieu (Habitus) oder Antonovsky (Salutogenese) Grundlagen um die individuelle Sichtweise der Heilpädagogik umsetzen zu können. Erweitert werden die dadurch entstehenden Fähigkeiten und Fertigkeiten durch die Auseinandersetzung mit der Resilienzforschung und den Impulsen einer wachen Anthropologie. Diese finden eine weitere Verfeinerung bei den Themen „Verhalten-Handeln-Gefühle, Verhaltensstörungen und Verwahrlosung“. Die Systemische Heilpädagogik (Speck, Bronfenbrenner, Luhmann und Konstruktivismus) verbindet alle Theorien und Themen. Dazu ist unerlässlich Paul Moor, der die Grundlage der Heilpädagogik über den äußeren und inneren Halt gefasst hat.

Die Diagnose ADHS wird von vielen Seiten beleuchtet: systemische Betrachtung, Moors und Hüthers Sicht sowie eine pharmazeutische Sicht versuchen einen umsichtigen Blick auf dieses umstrittenen Thema zu erreichen.

Die „Grundformen der Angst“ nach Riemann bekommen Platz im Unterricht, wie auch die sogenannte „geistige Behinderung“ in den Aspekten Empowerment, Leiblichkeit und Phänomenologie. In diesem Zusammenhang werden auch die Bereiche der Autismusspektrumsstörung sowie die Körperbehinderung betrachtet.

Die ICF und UNBRK, UN-KRK wie auch die Menschenrechte werden bei vielen Themen immer wieder beleuchtet und in ihrer Grundlegung für die heilpädagogische Arbeit diskutiert.

Die „Emotionale Intelligenz“ wird bei Lernen-Lernstörung-Lernbehinderung- Lernbiographie und dem „pädagogischen Lernbegriff“ einbezogen, ergänzt durch Ciompis „Affektlogik“. Rogers „Selbstkonzept“, Adlers „Individualpsychologie“, Bollnows „Pädagogische Atmosphäre“ und Zirfas „Pädagogischer Takt“ sind ebenso wichtige Theorien und Ansätze für die heilpädagogische Haltung und Handeln. Es findet eine begriffliche Annäherung zu Sexualität-Missbrauch-Misshandlung, Aggression und Gewalt/ Prävention statt, um eine eigene Position einnehmen zu können. Habermas liefert die Grundlagen für Diskurse und Diskussionen aktueller Themen und Herausforderungen in der Heilpädagogik. Adlers Individualpsychologie passt mit seiner ganzheitlichen Betrachtung des Menschen zur Heilpädagogik. Korczaks pädagogische Gedanken zu den Rechten des Kindes zeigt schließlich die Wichtigkeit der eigenen Biografie auf und schafft den Rahmen für die Betrachtung der eigenen beruflichen und persönlichen Bildungsprozesse (Biographizität).

All diese Inhalte dienen letztlich dem Studierenden zur Entwicklung der eigenen heilpädagogischen Haltung und Position.

 

Literatur – eine Auswahl:

Köhn, Wolfgang: Heilpädagogische Erziehungshilfe und Entwicklungsförderung (HpE), Memmingen 2008 (4.Auflage).

Antonovsky, Aaron; Salutogenese, Tübingen 1997 (Deutsche Herausgabe von Alexa Franke).

Beiner, Friedhelm: Was Kindern zusteht. Janusz Korczaks Pädagogik der Achtung, München 2008.

Bollnow, Otto Friedrich: Pädagogische Atmosphäre. Essen 2001.

Buber, Martin: Ich und Du. Gütersloh 2010.

Ciompi, Luc: Affektlogik. Stuttgart 1998.

Flammer, August; Entwicklungstheorien, Bern 2009 (4. vollständig überarbeitete Auflage).

Fröhlich-Gildhoff, Klaus/Rönnau-Böse Maike; Resilienz, München 2011 (2.Auflage).

Greving Heinrich/Ondracek Petr; Spezielle Heilpädagogik, Stuttgart 2009.

Gödde, Günter/Zirfas, Jörg; Takt und Taktlosigkeit, Bielefeld 2012.

Göhlich, Michael/Zirfas, Jörg; Lernen – Ein pädagogischer Grundbegriff, Stuttgart 2007.

Krenz, Armin; Kinderseelen verstehen – Verhaltensauffälligkeiten und ihre Hintergründe, München 2012 (2. Auflage).

Miebach, Bernhard; Soziologische Handlungstheorie, Wiesbaden 2014.

Moor, Paul: Heilpädagogik –ein Lehrbuch. Bern/Stuttgart/Wien 1993.

Speck, Otto; System Heilpädagogik - Eine ökologisch reflexive Grundlegung, München 2008.

Speck, Otto; Menschen mit geistiger Behinderung. München 2012.

von Schlippe, Arist; Familientherapie im Überblick, Paderborn 1993.